Liebe alle,

heute wieder mehr zur „angewandten“Astrologie. Ihr fragt euch: wie "sehe ich" die Astrologie im Real Life? Hier werdet ihr kundig. 

Ich dachte mir, ich werde einfach Menschen zu dem was sie lieben und was sie begeistert, interviewen. Zu den Dingen, die sie einzigartig und besonders machen. Durch diese Gespräche wird deutlich ersichtlich, wie die einzigartigen Merkmale aus unserer Geburtsradix nach außen sichtbar werden. Wie denken und empfinden wir? Wozu fühlen wir uns berufen?

Der erste Schwerpunkt ist heute das zwölfte Haus (Bereich im Horoskop).

Astrologische Interviews - wie wir ticken

Dazu freue ich mich auf den österreichischen Sänger und Musiker Peter Dürr. Wer mich persönlich kennt, weiß: Herr D. ist privat mein Herzensmensch und darum ist auch er mein erster Interview-Partner.

Das wunderbare ausdrucksstarke Foto von Peter Dürr (Löwe-Sonne) hat Bernhard Eder, gemacht - vielen Dank! Bernhard Eders Werke findet ihr hier.

Ab sofort schreibe ich die entsprechenden Prinzipien der Astrologie jeweils zum Begriff im Text in Klammer daneben. So entsteht allmählich ein Gefühl für die Zuordnung der Planeten / Zeichen / Häuser entsteht. Das heißt, wenn ihr im Interviewtext zum Beispiel im Text stehen seht  „(Neptun)“, hat das nicht der Interviewpartner an dieser Stelle "Neptun" gesagt sondern es ist die astrologische Entsprechung zu dem, was an dieser Stelle gesagt wurde.

Das zwölfte Haus

Heute geht es bei uns um das zwölfte Haus. Da fangen wir fast schon wieder von hinten in der eigentlichen Reihenfolge der astrologischen Häuser an aber eigentlich auch nicht. Der Widder ist das erste natürliche Haus und davor kommt das Fische-Zeichen mit Neptun - natürlicher Herrscher von Haus 12. Das zwölfte Haus ist ganz eigen - denn es bildet Anfang und Ende des Horoskops gleichzeitig. Das zwölfte Haus steht unter anderem für die Schwangerschaft und den Tod im Sinne der Erlösung (Neptun). 

ZUSAMMENFASSUNG: Der natürliche Herrscherplanet des zwölften Hauses ist der Planet Neptun, das dazugehörige Zeichen ist das Tierkreiszeichen Fische.

Im zwölften Haus geht es um das kollektive Gefühl der Menschheit - hier sollen wir das irdische Dasein „transzendieren“. Das ist ein seltsames Wort: einfach gesagt heißt es: durch Entwicklung der Spiritualität über eigene Ego hinwegkommen“. Unsere Fähigkeiten und Talente aus diesem Haus sollen wir dem Kollektiv zur Verfügung stellen. 

ZUSAMMENFASSUNG: Planeten im zwölften Radixhaus werden dann positiv gelebt, wenn ihre Attribute anderen zur Verfügung gestellt werden. Im Gegensatz steht das sechste Haus (Jungfrau/Merkur), in dem wir uns um das eigene Dasein in unserem Umfeld kümmern sollen.

Schaffen für die Anderen

Das ist schon eine große Herausforderung. Naturgemäß verlangt unser Ego (Sonne) von uns, in erster Linie an uns selbst, unsere eigenen Wünsche und unser eigenes Wohlbefinden zu denken – bei aller Liebe zur Menschheit (Neptun)! Doch wir alle haben ein zwölftes Haus in der Radix. Die darin enthaltenen Talente, Gefühle und angezeigten Aktivitäten sollen wir ALLEN „schenken“ damit es allen besser geht. Man spricht hier auch von der Suche nach „Erlösung“ oder für gläubige Menschen, nach dem Göttlichen. 

Bei der Sonne (Umsetzung, Kreation) im zwölften Haus (Neptun) ist das eine besondere Herausforderung. Der Fokus der Sonne liegt auf der eigenen Persönlichkeit, auf dem Ego/ Ich. Andererseits sollen wir hier Mitgefühl, Mitmenschlichkeit, Hingabe, Achtsamkeit und Vertrauen (alle Neptun) erlernen und das Unbewusste anderen Menschen zugänglich machen. 

Das zwölfte Haus ist dem Element Wasser zugeordnet. Hier liegt der Fokus des Daseins weder auf der Eigenerhaltung, noch auf Paarbeziehungen, noch auf der Selbstverwirklichung für eigene Zwecke. Das zwölfte Haus gilt teilweise nebulös, flüchtig und schwer zu erfassen. Hier finden wir auch Illusionen und Täuschungen - erfahren wir über eine Täuschung, werden wir "ent-täuscht".

Das Ego transzendieren

Transzendenz zu erfahren kann für Horoskopeigner mit natürlich stark „Ich“-geprägter Betonung  - wie zum Beispiel starken Widder-, Löwe- oder Schütze-Themen (alle drei dem Element Feuer zugeordnet) eine besonders fordernde Aufgabe sein. Für andere "zu tun", fühlt sich womöglich stark im Widerspruch zu ihrer natürlichen Veranlagung an - andererseits prädestiniert sie ihre brennende Aktivität dazu.

Das zwölfte Haus – das Urmeer

Ein schöner symbolischer Vergleich für die Bühne, die das zwölfte Haus darstellt, ist das Bild des Urmeers oder das kollektive Unbewusstsein nach Carl Gustav Jung. Das zwölfte Haus enthält die geistigen Inhalte, die alle Menschen teilen – das geistige und seelische Erbe aller Zeiten, alle Archetypen und Bilder, die wir unbewusst erkennen.

Es ist quasi die Ursuppe, aus der wir alle kommen und in die wir alle zurückkehren, der Anfang und das Ende aller Dinge. Auch der Schlaf und die Träume werden dem zwölften Haus zugeordnet – diese öffnen uns den Zugang zum Unbewussten. 

Alles im zwölfte Haus liegt VOR dem Ursprung, das heißt, es ist nicht greifbar – flüchtig, nicht sichtbar, nicht konkret oder greifbar – hier findet sich die Musik (Neptun), der Gesang - flüchtige Worte (Merkur-Neptun, „flüchtige Bilder“wie Momentaufnahmen bei der Fotografie oder der Ausdruckstanz sowie Schall und Rauch.

Weiters geht es um Dienste aller Art für andere Menschen wie verbale Vermittlung von Lehrinhalten (auch Saturn-Merkur), Unterstützung, Seelsorge, Heilung, Hilfeleistungen (alle Neptun). Die unbewussten Themen der Menschheit (Kollektiv) sind im zwölften Haus zu finden und durch die Umsetzung (Sonne) im zwölften Haus sollen diese Inhalte in die Erscheinung getrieben werden – also für die Menschheit erfahrbar und spürbar gemacht. 

Das Unsichtbare erlebbar machen

Außerdem sind dem zwölften Haus Orte der Einkehr und der Heilung zugeordnet, wie Klöster und Krankenhäuser sowie Schwimmbäder, die Chemie, Berufe wie Künstler, Seefahrer, Kranlenker, Spirituosenhändler und Nachtlokalbesitzer (Berufe außerhalb oder abseits der „Norm“), das Nebulöse, das Unerklärliche, das Einsiedlertum, Meditation und Sportarten wie Yoga, fernöstliche Kampfkunst oder Tauchen (Mars-Neptun). Hier geht es um „Kämpfen ohne zu siegen“. 

Negatives Ausleben von 12-Haus Themen kann zum Beispiel in Isolation, Arbeitslosigkeit, Antriebslosigkeit, Einsamkeit oder in Süchten und Suchterkrankungen nach außen sichtbar werden.

Photocredit: Bild von Leandro De Carvalho from Pixabay

Was im Argen liegt - das zwölfte Haus als Symbol

Angesichts der verschmutzten Weltmeere und den Unmengen an Plastik ist das Unbewusstsein der Menschheit (12. Haus) womöglich sinnbildlich durch die Flut an Informationen (Zwillings-Merkur) und Konsumgütern (Stier) am Limit. Wir schaffen es kaum noch, uns auf das Wesentliche zu besinnen und Ideen oder Gedanken aus dem großen Ganzen (12. Haus) zu schöpfen weil wir uns „zumüllen".

Das ist der Nachteil des Handy-Zeitalters (Wassermann/Uranus). Der technische Fortschritt kommt im zwölften Haus (Wassermann/Uranus) zum Ursprung (Wassermann). Dank des Prinzips der Polarität (Wassermann) wird alles Gute und Schlechte aus dem Urmeer "an Land" gespült. (Zur Polarität werde ich noch schreiben.)

(Photocredit: Cristian Palmer auf Unsplash)

Nun aber zu unserem astrologischen Interview. Peter Dürr ist Sänger und hat die Sonne im zwölften Haus im Löwen. Er setzt seine Lebensfreude und Schaffenskraft (Sonne) für die anderen Menschen (12. Haus) ein, in dem er auf der Bühne (Sonne im Löwen) das Unbewusste durch Gesang (Neptun) vermittelt.

Die Umsetzung des Unbewussten - Interview mit Peter Dürr

Sternkundig: Peter, du bist Musiker – Sänger. Wolltest du schon immer Sänger werden?

Peter: Nein, bis zu meinem 16. Lebensjahr wusste ich gar nicht was ich werden wollte. Dann ab 16 wollte ich Sänger werden, das lag aber noch in weiter Ferne. Ich stand mit 16 zum ersten Mal auf der Bühne. Da empfand ich zum ersten Mal, eigentlich völlig unvorbereitet, dieses Gefühl, diese Mischung aus Angst, Überwindung und Befriedigung wenn man vor Menschen auf der Bühne steht. 

Sternkundig: Wie fühlst du dich während du singst? 

Peter: Das Gefühl in mir ist eigentlich immer das gleiche – es ist schwer zu beschreiben (Neptun). Einerseits fühle ich mich ganz mit mir allein und im reinen. Andererseits bin ich sehr verbunden mit den Mitmusizierenden und mit dem Publikum. Das Empfinden der Zusammengehörigkeit (12. Haus) ist mein Ziel. 

Sternkundig: Worüber singst am liebsten?

Peter: Das ist während des Singens (Neptun) eigentlich nebensächlich. Es geht mir um das Gefühl (Neptun) während des Singens, nicht um die Hirnlastigkeit. Das Wort fügt sich in diie Musik und steht nicht alleine im Vordergrund. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Worte und die Botschaft gleichgültig sind. Ich muss mit den Inhalten, die ich vermittle schon einverstanden sein. Das ist aber eher eine Sache, mit der man sich bei Erarbeitung beschäftigt. Auf der Bühne (Löwe) rufe ich dann unbewusst (Neptun) das Gefühl für die Worte, die ich während der Vorbereitung erarbeitet habe, auf einer anderen Ebene ab. Der Gesang muss dann aus dem Bauch heraus kommen. 

Sternkundig: Singst du am liebsten alleine oder würdest du auch in einer Gesangsgruppe singen?

Peter: Ich singe natürlich am liebsten alleine weil ich mir über die Jahre ein Gefühl des Frontmans aufgebaut habe, das mich in den Mittelpunkt stellt (Sonne im Löwen). Das bedeutet nicht, dass es im Kollektiv (12. Haus) nicht auch sehr schön und erfüllend sein kann, vorausgesetzt ich habe die zwischendurch auch die Möglichkeit, alleine zu glänzen (Sonne im Löwen). Reine Chorjobs als Background Vocals kämen für mich nicht in Frage. 

Sternkundig: Hast du ein Vorbild und warum?

Peter: Jeden Sänger, den ich spüren kann (Neptun). Es gab mitunter Sänger in der Geschichte des Rock’n Roll, die nicht das begnadete Intonationsvermögen hatten. Entweder ist etwas technisch so gut transportiert, dass es mich trifft oder energetisch so intensiv, dass es dieses  Hungergefühl in mir als Zuhörer, dieses völlig freie Rock’n Roll ohne interpretatorische Normen, stillt (12. Haus). 

Unstillbares Verlangen

Sternkundig: Was möchtest du den Menschen, die dir zuhören, vermitteln?

Peter: Genau dieses Gefühl, das ich habe, das ich als Zuhörer habe – bei vollem Einsatz. Es ist immer der in der Situation maximal mögliche Energieaufwand drinnen. Ich habe das unstillbare Verlangen (Neptun), musikalisch immer alles für das Publikum und mich „herauszuholen“ (12. Haus).

Sternkundig: Kannst du dir ein Leben vorstellen ohne Musik zu machen?

Peter: Nein. Die Musik ist ein wichtiger Baustein meines Seins, aber nicht der einzige. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich ausschließlich über das Musik machen zu definieren. Dafür gibt es auch viel zu viel andere schöne Dinge im Leben. Dennoch wird nach einer gewissen Zeit der Drang auf die Bühne zu gehen (Sonne im Löwen) wieder wahnsinnig stark.

Sternkundig: Wo möchtest du mit der Musik eigentlich "hin"?

Peter: Ich möchte genau auf den schmalen Grat, der zwischen Erfolg und „man selbst bleiben“gezogen ist. Sobald ich Musik machen würde, die ausschließlich dafür konzipiert ist, breiten Massengeschmack zu bedienen und viel Geld zu verdienen und diese Gefühle beim Singen nicht mehr zulassen könnte, würde es für mich nicht funktionieren (Sonne im 12. Haus) Mit dieser Energie möglichst viele Menschen zu erreichen ist das Ziel – dieser schmale Grat. 

Sternkundig: Zum Abschluss - was denkst du über die Astrologie?

Peter: Bis vor zweieinhalb Jahren wusste ich nicht sonderlich viel darüber, abgesehen davon, dass es Sternzeichen und Aszendenten gibt. Da ich durch dich immer wieder mit Astrologie in Berührung komme, ist mir klar geworden, dass es nichts mit Kaffeesudlesen zu tun hat. Es sind jahrtausendealte Beobachtungen und ich erlebe anhand kleiner Beispiele, dass diese astrologischen Konzepte bei richtiger Deutung oder Anwendung sehr schlüssig und nachvollziehbar erscheinen (Neptun).

Sternkundig: Vielen Dank für das Interview! 

Peter: Gerne.

Ich wünsche euch einen schönen Wochenbeginn!

Photocredit: Bild von DarkWorkX from Pixabay